Timur Lukas’s work begins as soon as his mind is clear.
Only then are his powerful color compositions free to unfold over the picture’s surface. From the shoulder and elbow, the artist moves his brush across the canvas without inhibition, and individual forms seem to glide easily into place. The artist works both spontaneously and thoughtfully. By combining variations made up of filigreed lines and coarse brush surfaces, a dynamic is released which is rounded off by his powerful use of color.

The works that the artist presents in Gallery Rettberg’s group exhibition akkord have been created since he graduated from the Academy of Fine Arts in Munich (February 2018). They are characterized by
a combination of powerful yellow and grey tones, which Lukas combines with nuances of black. The artist begins by applying a grey primer, consisting of pigment and chalk coal, on the support medium. Step by step, both carefully thought-out and seemingly spontaneous and uncontrolled brush movements fall into place. For example, the work Perfectly Imperfect (2018, oil on canvas, 190 x 150 cm) begins with an uneven, bright yellow rectangle at the top of the picture. This is surrounded by repetitive black accents in charcoal, oil and pastel. These accents are applied in different thicknesses, which makes them look like impressions of each other, but they have been placed next to each other freehand. They are reminiscent of calligraphic signs that place fine quotes next to the fleeting brush movements. In other works, we recognize concrete words. At first glance, these seem like spontaneous notes, lending these artworks an added linguistic level.

Lukas combines powerful colors in both his smaller and his large-format works. These colors do not mix on the primed surface, instead they retain their own spaces. Each color can stand for itself without having to refer to anything else. Sometimes the paint is applied so thinly that it looks like chalk, allowing the underlying background to shine through. In other places, the strokes are so full that individual bristles appear in them. Even in the smallest of forms, this creates an interplay of muted and flickering color. In their combinati- on, they achieve an effect that is at once relaxed and thoughtful, clear and blurred, loud and yet quiet.

Timur Lukas explores the relationships between color, form and structure in his art. His works are only completed when it no longer feels right to continue working on them. In addition to the canvases, works which the artist composed using several individual sheets of paper were also created for the akkord exhibition. By so doing, he uses the motif of the picture grid, a motif found in many of his works and one which, above all, serves as a means of orientation in larger works. In comparison, the artworks shown in the Gallery Rettberg are characterized by a more spontaneous arrangement of forms on the support medium. The compositions now seem to float more freely on their foundations, as if we could observe them gradually taking shape.

Text: Lisa Stoiber


Timur Lukas Arbeiten beginnen, sobald der Kopf frei ist. Erst dann können sich seine kraftvollen Farbkompositionen locker über den Bildträger entfalten. Frei aus Schulter und Ellenbogen bewegt der Künstler den Pinsel über die Leinwand, wobei einzelne Formen scheinbar spielerisch leicht ihren Platz finden. Der Künstler arbeitet zugleich spontan und durchdacht. Indem er Variationen aus filigranen Linien mit groben Pinselflächen kombiniert, wird eine Dynamik frei, die durch den Einsatz von kraftvollen Farben abgerundet wird.

Die Werke, die der Künstler in der Gruppenausstellung „akkord“ in der Galerie Rettberg präsentiert, sind seit seinem Abschluss an der Akademie der Bildenden Künste in München (Februar 2018) entstanden. Sie zeichnen sich durch eine Kombination aus kraftvollen Gelb- und Grautönen aus, die Lukas mit Nuancen von Schwarz kombiniert. Zunächst trägt der Künstler eine graue Grundierung auf den Bildträger auf, die aus Pigmenten und Kreidekohle besteht. Schritt für Schritt finden darauf durchdachte und unkontrollierte Pinselbewegungen ihren Platz. Beispielsweise beginnt die Arbeit „Perfectly Imperfect“ (2018, Öl auf Leinwand, 190 x 150 cm) mit einem ungleichmäßigen, strahlend-gelben Rechteck im oberen Bildrand. Dieses wird umgeben von schwarzen, sich wiederholenden Akzenten aus Holzkohle, Öl und Pastell. Sie sind in unterschiedlichen Stärken aufgetragen, wodurch sie wie Abdrücke voneinander wirken, jedoch frei aus der Hand nebeneinander gesetzt wurden. Sie erinnern an kalligrafische Zeichen, die feine Zitate neben die flüchtig anmutenden Pinselbewegungen setzen. In anderen Arbeiten sind konkrete Wörter zu erkennen, die auf den ersten Blick wie spontane Notizen wirken und den Arbeiten zusätzlich eine sprachliche Ebene verleihen.

Sowohl auf kleinen, als auch großformatigen Arbeiten kombiniert Lukas kraftvolle Farben miteinander. Diese vermischen sich auf der Grundierung des Bildträgers nicht, sondern behalten ihre eigenen Räume. Jede Farbe kann so für sich selbst stehen, ohne dabei auf etwas anderes verweisen zu müssen. Manchmal ist die Farbe so dünn aufgetragen, dass sie wie Kreide wirkt und die darunterliegenden Bildhintergründe hervor scheinen lässt. An anderen Stellen ist sie so satt, dass sich einzelne Pinselborsten darin abzeichnen. Selbst in kleinsten Formen entsteht dadurch ein Wechselspiel aus gedeckten und flimmernden Farben. In ihrer Kombination erreichen sie eine Bildwirkung, die zugleich locker und überlegt, klar und verschwommen, laut und leise ist.

Timur Lukas lotet in seiner Kunst das Verhältnis von Farbe, Form und Struktur aus. Vollendet sind seine Werke erst, wenn sich das Weiterarbeiten nicht mehr richtig anfühlt. Neben den Leinwandarbeiten entstanden für die Ausstellung „akkord“ auch Werke auf Papier, die der Künstler aus mehreren einzelnen Blättern zusammensetzte. Dadurch greift er auf das Motiv des Bildrasters zurück, das in vielen seiner Werke zu finden ist und vor allem auf großen Arbeiten zur Orientierung dient. Im Vergleich dazu zeichnen sich die in der Galerie Rettberg gezeigten Positionen durch eine spontanere Anordnung der Formen auf dem Bildträger aus. Die Kompositionen scheinen nun freier auf der Grundierung zu schweben, als könne man sie dabei beobachten, wie sie nach und nach ihre Form annehmen.

Text: Lisa Stoiber